Im Rückblick: Apidya II

Wie oft übernimmt der Spieler die Rolle einer Biene, um sich gegen Raupen, Maulwürfe, Krebse oder Maden zur Wehr zu setzen? Auf gefährlichen Wiesen, in dunklen Teichen und in engen Abwasserkanälen? Wohl nicht sehr oft: »Apidya II« stach 1992 mit diesem ungewöhnlichen Konzept aus der Masse heraus.

Und nicht nur die Geschichte um den geflügelten Helden Ikuro und dessen Frau Yuri erstaunte die Fans. Die Präsentation des Spiels ließ vermuten, dass es sich um eine Produktion aus Japan handeln musste: Namen, Stil, Titel in Katakana.
Chris Hülsbeck schmunzelt: »Japanische Videospiele waren damals noch relativ unbekannt in Deutschland. Wir wollten uns einfach von den anderen abheben und haben daher beschlossen, Sachen zu entwickeln, die aus dem Land der aufgehenden Sonne hätten sein können«.

»Apidya II« zeichnete sich auch durch Videosequenzen aus, zu denen die Musik synchron lief - ein absolutes Novum für den Komponisten. Zwar gab es frühe Storyboards, die Vertonung wurde aber erst ganz am Schluss vorgenommen: »Ich erinnere mich noch, dass es eine ziemliche Fummelei mit dem programmierten TFMX-Soundtrack war, bis alles einwandfrei parallel lief«. Chris Hülsbeck war ebenso am Design des Spiels beteiligt, auch wenn es sich hauptsächlich darauf beschränkte, wie sich die Spielfigur bewegte - und wie das Waffensystem angelegt war. Selbst bei den Grafiken legte er Hand an - allerdings änderte sich das Setting von »Apidya II« später komplett, weswegen davon in der finalen Version nichts blieb.

Starkomponist Takenobu Mitsuyoshi aus Japan übernahm für »Symphonic Shades« die Arbeit am Arrangement, das er filmisch anlegte - schließlich hat die animierte Rahmenhandlung im Spiel bereits einen solchen Charakter. Bekannt wurde der SEGA-Veteran unter anderem durch seine Musik zu »Shenmue«, »Daytona USA« und »Virtua Fighter«. Für »Apidya II« hat er es sich nicht nehmen lassen, für den Chor japanische Texte zu verfassen. Chris Hülsbeck: »Das ist absolut klasse und sollte dem Hörer eine ganz neue Dimension eröffnen!«.

Im Konzert mit dabei: »Apidya II (Suite)«.

  • Das Konzert

    Musik von Chris Hülsbeck, aufgeführt durch das WDR Rundfunkorchester Köln unter der Leitung von Grammy-Preisträger Arnold Roth

    Solisten: Jari Salmela (Klavier) und Rony Barrak (Perkussion)

    CD-Mitschnitt (2. Auflage)
    Album auf iTunes
    Album auf Amazon-MP3
  • Chris Hülsbeck

    Für viele Spielefans ist Chris Hülsbeck der »Soundmagier«. Dabei hat er bloß einige der bekanntesten Melodien für Commodore 64 und Amiga komponiert, zum Beispiel für »The Great Giana Sisters« oder die »Turrican«-Reihe, auf beiden Homecomputern spezielle Musiksoftware entwickelt, mit synSONIQ ein eigenes Label für Spielemusik gegründet und neun CD-Alben veröffentlicht.
    Ein ganz normaler Held also.